Frankfurter Landwehr – Eine spätmittelalterliche Befestigungslinie
auch nur daran, dass ich schon häufiger über die Miquelallee und am
Palmengarten vorbei mich mit dem Auto in Richtung Innenstadt Frankfurt bewegt
habe. Jedenfalls ist es so, dass ich gefühlt immer an einem Bauwerk
vorbeikomme, dass ich ursprünglich einmal für einen Teil der Frankfurter
Stadtmauer gehalten habe. Irgendwie ist dieser Turm auch prägend für mich.
Verrückt eigentlich, denn diese Stadt, die einzige deutsche Stadt mit einer von
Hochhäusern geprägten Skyline, hat doch ganz andere Türme anzubieten, die ein
normaler Besucher als prägend definieren würde.
Ich bin da anders. Vielleicht auch deshalb, weil ich ein
Fan gotischer Architektur bin. Und der Turm von dem ich hier spreche, ist ein
Relikt dieser Epoche. Ich rede vom Turm der Bockenheimer Warte.
Vielleicht ist er auch so auffällig, weil er anders
aussieht in der modernen Umgebung der Stadt. Irgendwo repräsentiert er, genau
wie die drei weiteren erhaltenen Türme anderer Warten, auf die ich noch später
kommen werde, das alte, das andere, das mittelalterliche, das kaiserliche, das
in meinen Augen schönere, aber untergegangene Frankfurt.
Damals, als der Turm gebaut wurde, lag er noch nicht in
Frankfurt.
Die Bockenheimer Warte war vielmehr Außenposten eines
militärischen Systems zum Schutz der Stadt, die als Frankfurter Landwehr
bezeichnet wurde.
Mit Landwehr werden zum einen Truppen bezeichnet, die –
vor allem, aber nicht nur, in Notzeiten – von einer Regierung aufgestellt
werden. Hierbei handelt es sich um milizartige Verbände bzw. um Reservisten
älterer Jahrgänge, die zu Einheiten zusammengefasst, nicht nur für die
Verteidigung, sondern auch als standardisierte Einheiten einer regulären Armee
herangezogen wurden. Das sicherlich bekannteste Beispiel in Deutschland ist die
preußische Landwehr der napoleonischen Kriege.
Die zweite Bedeutung ist eine territoriale. Mit Landwehr
„werden Grenzmarkierungs- bzw. Grenzsicherungswerke und Umfriedungen von
Siedlungsgebieten … bezeichnet. Diese Siedlungsschutzanlagen werden zumeist ins
Hoch- und Spätmittelalter datiert und besitzen in Einzelfällen Längen von über
hundert Kilometer. “ (Wikipedia)
Allerdings gab es diese Landwehren nicht nur im
Mittelalter. Im Grunde sind der römische Limes und das in Schleswig-Holstein
liegende Danewerk in ihrer Art ebenfalls Landwehren, und somit auch die
bekanntesten ihrer Art in Deutschland.
Die Stadt Frankfurt schützte sich ebenfalls im
Mittelalter mit einer Landwehr.
aufgrund ihrer Größe und Bedeutung eine beindruckende Stadtmauer, die dann
später während des 30jährigen Krieges zu einer Sternschanzenfestung ausgebaut
wurde. Das Aussehen der Mauer wird in einem Holzschnitt des Künstlers Conrad
Faber von Kreuznach aus dem Jahr 1552 hervorragend wiedergegeben, ein
Kunstwerk, dass im gleichen Jahr erstellt wurde, als es zur größten
Belastungsprobe eben dieser Stadtmauer während der Belagerung von Frankfurt im
Rahmen des Fürstenaufstandes von 1552 kam.
Hoheitsgebietes einige Kilometer vor der eigentlichen Stadt. Landwehren wurden
im Mittelalter nach einem bestimmten Muster erstellt. Im Grunde genommen
handelt es sich um eine Einhegung eines bestimmten Gebietes. Sie bestand aus
einem Gebück aus undurchdringlichen Hecken mit einem vorgelagerten Graben. Die
Gebücke bestanden im heute deutschsprachigen Raum hauptsächlich aus Hainbuchen.
Die Hecke hatte dabei eine Tiefe von 20 bis 50 Metern (im Rheingauer Gebück sogar
bis zu 100 m) und erreichte eine Höhe von 3 bis 5 Metern.
Die Anlage dieser Gebücke hatte übrigens eine alte
Tradition. Interessanterweise erwähnt Julius Cäsar in seinem De Bello Gallico
bereits eine ähnliche Konstruktion bei dem gallischen Stamm der Nervier: „Sie
schnitten junge Bäume ein und bogen sie. Zwischen ihre zahlreichen in die
Breite wachsenden Zweige pflanzten sie Brombeer- und Dornbüsche und stellten so
einen Schutzwall her, der an die Stelle einer Mauer trat und undurchdringlich
war, ja sogar jede Sicht versperrte.“
– Gaius Iulius Caesar: De bello Gallico 2,17
ihrem westlichen Teil nach und nach um einen weiteren Graben ergänzt, was
übrigens kein Einzelfall darstellt.
An den durch dieses Gebück führenden Straßen wurden
Kontrolltürme und/oder Befestigungen errichtet. Im Fall von Frankfurt spricht
man hier von Warten. Die vier bekanntesten und im Teil erhaltenen, sind die
bereits eingangs erwähnte Bockenheimer Warte, dann die Friedberger Warte, die
Galluswarte und die Sachsenhäuser Warte (zusätzlich gab es weitere Türme und
Befestigungen in der Region, die teilweise später eingemeindet wurden oder als
eigenständige Warten fungierten, wie die Berger Warte oder die Höchster Stadtbefestigung).
Beobachtungstürme und sie ähnelten einer kleinen Burg. Sie verfügten über einen
Aussichtsturm, einen Wehrhof, über Mannschaftsgebäude, Waffenlager und Brunnen.
Sie waren mit einer Besatzung belegt, die oftmals unter dem Befehl eines
Ministerialen bzw. einem Ritter stand.
Neben den Warten gab es auch noch befestigte Anwesen, die
in das Landwehrsystem integriert waren, in Frankfurt zum Beispiel Gutleuthof,
Hellerhof, Kühhornshof, Riederhof, Strahlenberger Hof und Riedhof.
Leider sind letztere so gut wie nicht mehr erhalten (vom
Riederhof existiert noch ein Eingangsportal, vom Kühhornshof ein Wehrturm).
Mittelalters ihren Zweck teilweise über Jahrhunderte hinweg erfüllten. Das
dichte Gebück war von Reitern gar nicht, von Fußtruppen nur schwerlich zu
durchqueren. Während der Mainzer Stiftsfehde versuchte man beispielsweise das
Rheingauer Gebück in Höhe von Oberwalluf zu stürmen, was aber trotz heftiger
Kämpfe (die Quellen berichten von viertägigen Kämpfen) nicht gelang.
Raubzüge und Plünderungen konnten von dem befestigten
System verhindert werden. Somit kann man die Landwehren als Mittel zur
Eindämmung von Fehden und als effektives Mittel zur Erreichung eines dauerhaften
Landfriedens bezeichnen.
Mit dem Aufkommen und der zunehmenden Verwendung von
Artillerie in der Feld- und Belagerungsschlacht überholten sich allerdings die
klassischen Landwehren und wurden in Folge dann auch aufgegeben.
In diesem Bericht zeige ich Ihnen Stiche der vier
Frankfurter Warten, wiedergegeben aus folgendem Buch:
Carl Wolff, R. Jung – Die Baudenkmäler in Frankfurt am
Main, Band 2 – Weltliche Bauten, Frankfurt 1898.
Bezogen auf unser Hobby bietet die Darstellung einer
solchen Warte und des Gebücks einen reizvollen Ansatz. Burgen nehmen auf einer
Standard Wargaming Platte oftmals zu viel Raum ein, es sei denn man will
explizit eine Belagerung darstellen. Die Alternative ist eine Warte bzw. ein
befestigtes Gehöft.
Empfehlen möchte ich an dieser Stelle natürlich eines
meiner Lieblingsmodelle, das Jens Najewitz als 3d Druck Modell entwickelt hat,
und das für einen Wehrhof an einer deutschen Landwehr ideal einzusetzen ist.
Fortified
Mansion, Castle – 3dprintterrain
Wer keinen Drucker besitzt, dem sei gesagt, dass Jens
sowohl auf der Hamburger Tactica als auch auf der Antwerpener Crisis dieses
Modell generell als ausgedrucktes Modell am Start hat. Man hat also auch die
Möglichkeit es physisch zu erwerben. Jedenfalls zweimal im Jahr.
Vielleicht wird sich Jens in einem seiner nächsten
Kickstarter auch direkt an einer der historischen Warten versuchen. Gesprochen
haben wir schon über dieses Thema, aber konkretisiert ist es noch nicht.
Persönlich fände ich es schon klasse, eine
originalgetreue Bockenheimer Warte auf einem Gamingtisch zu sehen. Denn wie bereits
anfangs gesagt. Für mich persönlich ist es ein Stück Frankfurt, und der Anblick
begleitet mich schon seit vielen Jahrzehnten.
Maybe it’s just me. And maybe it’s simply because I’ve
often driven along Miquelallee and past the Palmengarten towards downtown
Frankfurt. In any case, it feels like I always pass a structure that I
originally thought was part of Frankfurt’s city wall. Somehow, this tower is
also a defining feature for me. It’s crazy, really, because this city, the only
German city with a skyline dominated by skyscrapers, has completely different
towers to offer, which a typical visitor would consider defining.
I’m different. Perhaps it’s also because I’m a fan of
Gothic architecture. And the tower I’m talking about is a relic of that era.
I’m referring to the „Bockenheimer Warte“ tower.
Perhaps it’s also so striking because it looks different
in the modern cityscape. Somewhere, just like the three other surviving towers
of other watchtowers, which I will discuss later, it represents the old, the
other, the medieval, the imperial, in my eyes more beautiful, but vanished
Frankfurt.
Back when the tower was built, it wasn’t yet located in
Frankfurt.
The Bockenheim Watchtower was, in fact, an outpost of a
military system for the protection of the city, known as the „Frankfurt
Landwehr“.
The term Landwehr has two meanings in Germany.
On the one hand, Landwehr refers to troops that are
raised by a government—primarily, but not exclusively, in times of crisis.
These are militia-like units or reservists of older age groups, who were
combined into units and used not only for defense but also as standardized
units of a regular army. The most well-known example in Germany is certainly
the Prussian Landwehr of the Napoleonic Wars.
The second meaning is territorial. The term
„Landwehr“ refers to „border demarcations, fortifications, and
enclosures surrounding settlements… These settlement defenses are mostly
dated to the High and Late Middle Ages and, in some cases, can extend for over
one hundred kilometers.“ (Wikipedia)
However, these Landwehrs were not limited to the Middle
Ages. The Roman Limes and the Danevirke in Schleswig-Holstein are also examples
of Landwehrs, and thus the best-known examples of their kind in Germany.
The city of Frankfurt also protected itself with a
Landwehr during the Middle Ages. Due to its size and importance, the city
naturally possessed an impressive city wall, which was later expanded into a
star fortification during the Thirty Years‘ War. The appearance of the wall is
superbly depicted in a woodcut by the artist Conrad Faber of Kreuznach from
1552, a work of art created in the same year that this city wall faced its
greatest test during the siege of Frankfurt in the course of the Princes‘
Revolt of 1552.
The Landwehr, in turn, protected the territory several
kilometers outside the city proper. Landwehrs were constructed according to a
specific pattern in the Middle Ages. Essentially, they were enclosures of a
particular area. They consisted of a hedgerow of impenetrable hedges with a
ditch in front. In what is now German-speaking territory, these hedgerows were
primarily made of hornbeams. The hedges were 20 to 50 meters deep (even up to
100 meters in the Rheingau region) and reached a height of 3 to 5 meters.
The construction of these hedgerows, incidentally, had a
long tradition. Interestingly, Julius Caesar mentions a similar construction in
his *De Bello Gallico*, referring to the work of the Gallic tribe of the
Nervii:
“They cut into young trees and bent them. Between their
numerous, spreading branches, they planted brambles and thorn bushes, thus
creating a defensive wall that served as a barrier and was impenetrable, even
blocking all view.”
– Gaius Julius Caesar: *De Bello Gallico* 2.17
In the case of the Frankfurt Landwehr, the western part
of the fortification was gradually extended with an additional ditch, which,
incidentally, is not an isolated case.
Watchtowers and/or fortifications were built along the
roads leading through this defensive system. In the case of Frankfurt, these
are called „Warten“. The four best-known and partially preserved are the
Bockenheim Watchtower, mentioned earlier, followed by the Friedberg Watchtower,
the Gallus Watchtower, and the Sachsenhausen Watchtower (there were also other
towers and fortifications in the region, some of which were later incorporated
into other municipalities or functioned as independent watchtowers, such as the
Berger Watchtower or the Höchst city fortifications).
These watchtowers were fortified observation towers and
resembled small castles. They featured a lookout tower, a fortified courtyard,
barracks, armories, and wells. They were garrisoned, often under the command of
a ministerialis (a type of unfree knight) or a knight.
In addition to the watchtowers, there were also fortified
estates integrated into the Landwehr (a defensive system), such as Gutleuthof,
Hellerhof, Kühhornshof, Riederhof, Strahlenberger Hof, and Riedhof in
Frankfurt.
These watchtowers were fortified observation towers and
resembled small castles. Unfortunately, the latter are almost entirely gone
(only an entrance gate remains of the Riederhof, and a defensive tower of the
Kühhornshof).
It should be noted that the defensive earthworks served
their purpose for centuries during the Middle Ages. The dense thickets were
impassable for cavalry and difficult for infantry to cross.
During the Mainz Diocesan Feud, for example, an attempt
was made to storm the Rheingau thicket near Oberwalluf, but this failed despite
fierce fighting (sources report four days of battle).
Raids and plundering were prevented by the fortified
system. Thus, the defensive earthworks can be described as a means of
containing feuds and an effective means of achieving lasting peace.
However, with the advent and increasing use of artillery
in field and siege warfare, the classic defensive earthworks became obsolete
and were subsequently abandoned.
In this report, I will show you engravings of the four
Frankfurt watchtowers, reproduced from the following book:
Carl Wolff, R. Jung – The Architectural Monuments in
Frankfurt am Main, Volume 2 – Secular Buildings, Frankfurt 1898.
Regarding our hobby, depicting such a watchtower and its
associated fortifications offers an appealing approach. Castles often take up
too much space on a standard wargaming table, unless you explicitly want to
depict a siege. The alternative is a watchtower or a fortified farmstead.
At this point, I would like to recommend one of my
favorite models, which Jens Najewitz developed as a 3D-printed model and which
is ideal for a fortified farmstead on a German Landwehr (territorial army).
Fortified
Mansion, Castle – 3dprintterrain
For those who don’t own a printer, Jens usually has this
model available as a printed version at both the Hamburg Tactica and the
Antwerp Crisis conventions. So, you also have the option of purchasing it
physically. At least twice a year.
Perhaps Jens will try his hand at recreating one of the
historic watchtowers in one of his next Kickstarter campaigns. We’ve already
discussed this, but nothing concrete has been decided yet.
Personally, I think it would be fantastic to see a
faithful replica of the Bockenheimer Warte on a gaming table. As I mentioned
earlier, for me it’s a piece of Frankfurt, and the sight has been with me for
decades.
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Autor: / Geschichte als Hobby: Sehen – Lesen – Spielen






















